Reise als Familie mit kleinen Kindern
familienreise grosse reisen reiseberichte reisethemen

Wieso wir als Familie mit kleinen Kindern reisen wollen

Eine Familie mit kleinen Kindern, die mehrere Monate auf Reisen geht: Daran scheiden sich die Geister. (Fast) alle, die es selber schon gemacht haben, sind überzeugt, dass es sich lohnt. Viele von ihnen betonen aber auch, dass das Reisen mit Kindern, besonders wenn sie noch klein sind, mitunter sehr anstrengend ist. Oder einem gar den letzten Nerv raubt.

Und dann gibt es noch die Kritiker, die sagen, dass die Kinder nichts von einer Reise haben, weil sie sich nicht daran erinnern können. Oder weil sie Gewohnheitstiere sind, die nur ungern aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden. Dass das Reisen ein Egotrip der Eltern sei. Oder sie weisen darauf hin, dass reisen und fliegen klimaschädlich ist.

Der Tagesanzeiger hat kürzlich einen Artikel von mir veröffentlicht, in dem drei Familien von ihren Reisen erzählen. Das Fazit der Porträtierten ist durchwegs positiv, die Kommentatoren sind etwas weniger begeistert 😉

Warum also wollen wir als Familie reisen? Was sind unsere Beweggründe, unsere Motivation? Wie denken wir über die Einwände von Kritikern? In diesem Beitrag teilen wir unsere Gedanken mit euch. Alles rein theoretisch, denn unsere erste längere Reise mit Kindern startet erst in ein paar Wochen. Im Sommer gibt es dann das Fazit 😉

Grund #1 für eine Reise als Familie: Fernweh

Wir sind schon immer gerne gereist und haben beide einige Zeit im Ausland verbracht. Interrail-Trips nach dem Gymi, Austauschjahre während der Uni, gemeinsame Campingferien in der Schweiz und in Europa – wir haben es genossen, fremde Orte zu entdecken.

Spätestens mit unserer Weltreise 2013 wurden wir endgültig zu Reisefans und es gibt zig Orte, die wir noch sehen wollen (aber vermutlich nicht werden).

Und insbesondere ich merke auch, wie mir mein geliebtes Zürich regelmässig zu eng(stirnig) wird und ich etwas anderes brauche. Abwechslung, Veränderung und danach auch die Rückkehr. Dann merke ich wieder, wie sehr ich diese Stadt und meine Menschen hier brauche.

Grund #2 für eine Reise als Familie: Gemeinsame Zeit

Das könnte sich noch als Trugschluss erweisen, aber schauen wir mal: Auf einer Reise hat man als Familie endlich richtig viel Zeit zusammen. Kein Job, keine Krippe, keine Freunde, keine Familie, nur wir vier.

Im nächsten Sommer kommt unser Sohn in den Kindergarten und wir werden je länger je weniger Zeit miteinander haben. Auch, weil sich die Kinder immer mehr nach aussen orientieren werden. Das finden wir zwar cool, wollen aber diese Zeit, in der wir so eng sind, auch noch etwas geniessen.

Auch wir als Ehepaar freuen uns, mehr Zeit miteinander zu haben. Wir werden uns zwar die ersten zwei Wochen übelst auf die Kappe geben, danach aber diese gemeinsame Zeit sehr geniessen.

Damit es nicht zu viel des Guten wird, werden wir uns gegenseitig Auszeiten geben, ich werde weiterhin arbeiten und ab und zu werden wir von Familienmitgliedern und Freunden besucht.

Grund #3 für eine Reise als Familie: Gemeinsame Erlebnisse

Das Tollste am Reisen ist, dass man Dinge sieht und erlebt, die zuhause nicht möglich sind.

Wir werden unbekannte Städte entdecken, wir werden durch kleine Gassen spazieren, von verschiedenen Stränden aufs Meer schauen, die besten Spielplätze finden, durch Parks streifen.

Wir werden unbekannte Speisen ausprobieren, Tapas und Paella futtern, mit spanischen, französischen und italienischen Weinen anstossen (nicht die Kinder, don’t worry).

Wir werden Sprachen lernen und verbessern, andere Lebensweisen kennenlernen, mit spannenden Menschen sprechen, uns über soziale Gepflogenheiten wundern und vermutlich in einige Fettnäpfchen treten.

Das alles miteinander zu teilen, wird uns verbinden.

Grund #4 für eine Reise als Familie: etwas anderes ausprobieren

Ich bin ein Mensch, der immer wieder eine Veränderung braucht. Ich verlasse gerne meine Komfortzone und probiere Neues aus.

Auf unserer Reise werden viele Dinge nicht so sein, wie wir es von zuhause gewöhnt sind.

Wir werden weniger Dinge haben als zuhause. Weniger Kleider. Weniger Spielsachen. Für mich persönlich der Himmel auf Erden. Für die Kinder? Vielleicht werden sie ihre Spielsachen vermissen. Oder sie werden erfahren, dass man auch ohne viel Besitz ziemlich gut leben kann.

Wir werden unsere Rollen tauschen: Hier in Zürich arbeitet Lukas mehr als ich, ein Grossteil der Familienarbeit liegt also bei mir. Kinder zur Krippe bringen und holen, Kalender organisieren, mit den Kindern spielen. Auf unserer Reise wird Lukas nicht arbeiten und sich hauptsächlich als Hausmann und Superdad betätigen, ich werde weiterhin Teilzeit arbeiten. Was dieser Rollentausch mit uns machen wird?

Wir werden Familie und Freunde nicht sehen. Und werden damit auch viel weniger Entlastung haben. Keine Grosseltern, die die Kinder hüten. Keine Spielkameraden, die für Unterhaltung sorgen. Keine Freundinnen, mit denen man bei Playdates Kaffee trinken kann oder abends mal weg. Werden unsere Kinder ihre Freunde vermissen? Werden sie Heimweh haben? Kriegen wir den Familienalltag gebacken, wenn wir nicht regelmässig Pausen haben?

Ich werde auf dieser Reise ortsunabhängig arbeiten, werde als Texterin weiterhin für meine Kunden schreiben und zudem diesen Reiseblog betreiben. In Nizza habe ich mich schon mal kurzzeitig als digitale Nomadin versucht, nun wiederhole ich dieses Experiment.

Und was spricht dagegen?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich immer überzeugt bin von unserem Plan einer längeren Familienreise. Immer wieder poppen bei mir und Lukas Fragen und Sorgen auf und wir überlegen, das alles wieder abzublasen.

  • Ich fürchte mich vor zig Dingen, die uns auf dieser Reise zustossen könnten. Die Palette reicht von falsch gebuchter Ferienwohnung über Magen-Darm-Grippen bis hin zu Terroranschlägen.
  • Ich habe Angst, dass mein Sohn Heimweh haben wird und seine Freunde und die Grosseltern schrecklich vermisst.
  • Ich weiss nicht, ob so viel Zeit als Familie wirklich cool ist. Vielleicht zerstreiten wir uns, weil wir überfordert sind und keine Zeit mehr als Paar haben? Wird das nicht unglaublich anstrengend, wenn wir dauernd aufeinander hocken?
  • Ich habe keine Ahnung, ob das ortsunabhängige Arbeiten etwas für mich ist, ob meine Kunden es akzeptieren. Kann ich mich aufs Arbeiten konzentrieren, wenn ich nicht in meinem Büro sitze?

Alles in allem: Hilfeeeee!

Wieso wir als Familie mit kleinen Kindern reisen werden: Probieren geht über studieren

Ihr seht, wir haben grosse Erwartungen an diese Reise und wir freuen uns wahnsinnig darauf. Die fiesen Stimmen, die uns das Ganze madig machen wollen, blenden wir aus und lassen uns auf das Unbekannte ein.

Wir verlassen mit dieser Reise unsere Komfortzone. Aber hey, das ist ja bekanntlich dort, wo die Magie passiert. Ausserhalb dieser Komfortzone.

Unsere bisherigen Reisen als Familie mit kleinen Kindern

0 Kommentare zu “Wieso wir als Familie mit kleinen Kindern reisen wollen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.