Vier Wochen Costa Rica

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Unsere Reise durch Costa Rica startet in Alajuela, einer Stadt im Landesinnern, wo auch der Flughafen ist. Wir wohnen in einem Hotel ausserhalb der Stadt, geführt von einer Schweizerin. Dora ist eine super liebe Frau und liebt es, Geschichten über ihre Wahlheimat zu erzählen. Alajuela selber ist nicht eine spannende Destination, aber man kann gemütlich einen Nachmittag im Parque Central hängen und Leute beobachten.

Nach 5 Tagen verlassen wir Alajuela und fahren mit dem Bus nach Santa Teresa, auf die Nicoya-Halbinsel. Das Bussystem in Costa Rica ist sehr gut, muss aber erst mal verstanden werden. Es gibt keine staatlichen Busgesellschaften, sondern viele private, was bedeutet, dass es keinen allgemeinen Fahrplan oder eine zentrale Bushaltestelle in den Städten gibt. Im Internet und in den Reiseführern stehen zwar Abfahrtszeiten und -orte, die stimmen aber kaum einmal und am besten ist es, man fragt sich einfach durch.

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Die Busfahrt nach Santa Teresa dauert ewig und drei Tage, weil ein grosser Teil der Strassen auf der Nicoya-Halbinsel nicht geteert sind und der Bus deshalb nur 10 kmh fahren kann. Ausserdem hält er in ländlichen Gegenden an jedem Misthaufen, um noch einen Passagier mitzunehmen. Santa Teresa ist eigentlich nur eine lange, seeeeeehr staubige Strasse und ein seeeehr langer, seeehr breiter, seeeehr schöner Strand. Hauptbeschäftigung aller sich in Santa Teresa aufhaltender Menschen ist das Surfen. Und als Ausgleichstraining ein wenig Yoga. Entsprechend sehen alle Leute dort auch verboten gut aus, braungebrannt, zero Fett und Waschbrettbauch. Auch wir haben uns im Surfen und im Yoga versucht, mehr oder weniger erfolgreich. Ausser Surfen und Yoga kann man in Santa Teresa nichts tun. Kommt dazu, dass es zwischen 9 und 16 Uhr so arschheiss ist, dass man auch nichts tun will. 37 Grad ist normal. Trotzdem schwören die dort wohnhaften Expats (Surfer und Kiffer aus Italien, Österreich, England, Deutschland, USA…), dass Santa Teresa der schönste Ort in Costa Rica sei. Wir sind nicht überzeugt, bleiben aber trotzdem 8 Tage dort. Unter anderem auch, weil es zu heiss ist, sich aktiv um die Organisation der weiteren Reise zu kümmern.

montezuma-sonnenaufgang

Dann heisst es wieder Bus-Abfahrtszeit rausfinden und weiter geht’s nach Montezuma. Dieses Mini-Hippiedorf wird aus naheliegenden Gründen auch Montefuma genannt und ist für zwei, drei Nächte lohnenswert. Wir geniessen den schönen Strand und ein Bad bei den Wasserfällen. Zudem lernen wir im Hostel lustige Leute kennen, unter anderem zwei deutsche Jungs, die nach Costa Rica kamen, um Land zu kaufen und zu bleiben. Blöderweise wurden sie kurz nach ihrer Ankunft in San Jose überfallen und ihre einzige Kreditkarte war somit erstmal weg 🙂

Nach Montezuma ziehen wir  weiter in den Süden, in der Hoffnung, dass es dort etwas kühler wird. Das ewige Schwitzen gibt uns langsam den Rest und das Schwimmen im 30 Grad warmen Meer ist nicht wirklich erfrischend.

Wir besteigen also das komplett überteuerte Taxi-Boot nach Jaco an der Pazifikküste. Die 40 Dollar pro Person erweisen sich dann aber trotzdem noch als gute Investition, denn wir sehen unterwegs Delfine. Viele Delfine. Geil.

Jaco selber ist ein hässlicher Ferienort und nach einer Nacht in einem wirklich geilen Hostel mit wirklich geilem Pool nehmen wir wieder einen Bus nach Uvita. Dort steigen wir in einem Öko-Hostel ab, geleitet von zwei Ami mit vielen Ami-Volunteers und Ami-Gästen. Das ganze Ding wird sehr nachhaltig betrieben, ist aber auch sehr hippiemässig (wie eigentlich alles an der Pazifikkueste, wo sich die Expats niedergelassen haben). Highlights sind eine ABC-Party am Samstag und ein Opossum im Zimmer. «ABC» steht fuer «anything but clothes» und heisst, man muss sich mit irgendwelchen Materialien verkleiden. Aus Plastiksäcken, Wäscheleine und Leinen-Schlafsack basteln wir unsere Kostüme und mischen uns unter die Partypeople. Eine Nacht später weckt uns ein Kratzen und Knabbern mitten in der Nacht in unserer sehr bescheidenen Hütte. Mangels anderer Lichtquellen zünden wir mit der Taschenlampe in Richtung Geräusch und ein lustiges kleines Tier mit grossen Knopfaugen und nacktem Schwanz guckt uns interessiert an. Wir googeln erstmal, was das für ein Vieh sein soll und versuchen dann, es zu vertreiben. Das Opossum interessiert das nicht gross, irgendwann zottelt es aber wieder davon. Am nächsten Morgen fehlt ein Ohropax, der zweite liegt noch angefressen auf dem Nachttisch :-).

uvita

Irgendwann wird es uns wirklich zu heiss und wir beschliessen, in die Berge zu fahren. Also wieder Bus besteigen und losgetuckert. In San Gerardo de Rivas, einem ganz kleinen Dorf nahe dem höchsten Berg Costa Ricas (dem Cerro Chirripo auf 3800 Meter) bleiben wir drei Tage. Das kühlere Klima, die schöne Natur und die freundlichen Menschen (keine Expats, sondern Ticos, also Costa Ricaner) begeisterten uns. Wir wandern durch den Nebelwald, durch die Wiesen und Wälder des Tals, bestaunen Wasserfälle, werden von einem Nasenbär mit Nüssen beworfen und besuchen heisse Quellen mitten im Wald.

 

Zum Abschluss unserer Reise durch Costa Rica fahren wir nach Turrialba, um dort zu River Raften. Bei der einzigen Tico-River-Rafting-Gesellschaft buchen wir eine Tour, werden zum Rio Pacuare gefahren und besteigen nervös das Gummiboot. River Raften ist mega geil, auch wenn man pflotschnass wird und wie ich in den Stromschnellen aus dem Boot fällt. Die Guides sorgen dafür, dass wir uns im Notfall richtig verhalten und unterhalten uns mit witzigen Spruechen. Die Natur am Rio Pacuare ist traumhaft, wir raften durch den dichten, unberührten Regenwald und an verschiedenen Stellen springen wir auch freiwillig aus dem Boot in den kühlen Fluss.

Unglaublich beeindruckend sind in Costa Rica die vielen Tiere, die man überall von sehr nah sieht. Neben Insekten und den üblichen Haus- und Nutztieren ist es auch ganz normal, dass Brüllaffen morgens vor dem Zimmerfenster rumbrüllen (seeeeehr laut), Kapuzineraffen Fangis spielen und fette Leguane auf den Bäumen rumturnen.

Bildergalerie Costa Rica

3 comments Write a comment

  1. In Costa Rica läuft manchmal nicht alles optimal, davon kann ich ein Lied singen 😉 So betreffend seeeehr langsamen Bussen und so 🙂 Aber, so lange man sich darauf einstellt, dass alles ein wenig “pura vida” abläuft, sollte man keine Probleme haben.

    Betreffend Jaco habt ihr natürlich komplett recht. Das Interessante daran ist aber, dass dies bei den Ticos selbst der beliebteste Ort innerhalb Costa Ricas ist. Zum einen ist es sehr einfach zu erreichen von San Jose aus und zum anderen mögen die Ticos diese Art des Tourismus. Also sprich nicht öko und nicht Hippie 😉 Also das Gegenteil davon, was die meisten ausländischen Touristen suchen.

    Die 40$ für die Bootsfahrt könnten sich übrigens auch noch in anderer Hinsicht gelohnt haben. Hättet ihr den Bus genommen, hättet ihr sicher einen guten Tag mit Reisen verbracht… Und Delfine oder sonst viel zu sehen 😉

    Cheers und schöne Grüsse aus Costa Rica!

    • Hallo Dani

      Danke für deinen Kommentar und deine Inputs zu Costa Rica. Das ist wirklich interessant, dass Jaco bei den Einheimischen so gut ankommt, bei uns war das nicht der Fall 🙂 Aber wie du sagst, es ist immer eine Frage, was man sucht und welche Art von Reise einem entspricht.

      Viele Grüsse nach Costa Rica!
      Karin

  2. Pingback: Costa Rica Tipps: 15 Reiseblogger veraten alles! - Tropenwanderer

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