Camping-Ferien mit Kleinkind

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Die letzten zwei Wochen vor den Ferien verbringen wir – alten Traditionen folgend – mit Packlisten schreiben und streiten. Wie immer sind wir uns nicht einig, ob wir sehr organisiert oder komplett planlos reisen sollen.

Für die Planung spricht: Wir haben jetzt ein Kind.
Gegen die Planung spricht: Wir haben jetzt ein Kind.

In der Ruhe liegt die Kraft

Irgendwie schaffen wir es dann doch, uns auf eine Route, ein Ziel und eine finale Packliste zu einigen und holen am ersten Ferientag unseren Hymercar Sydney in Jestetten beim Autohaus Melzer ab. Der orange Van mit Aufstelldach ist top neu und fährt sich smooth wie ein Schlitten auf Neuschnee.

Leider hält sich die Begeisterung unseres Sohnes über dieses Fahrerlebnis sehr in Grenzen und wir kommen die folgenden Tage nur voran, wenn der Kleine tief und fest schläft. Wir machen aus der Not eine Tugend und lassen uns auf dem Weg in den Süden Zeit: Ganze fünf Tage sind wir unterwegs, davon verbringen wir zwei Tage auf einem super gemütlichen Campingplatz in Châteauneuf-du-Pape (ja, dort wo der Wein herkommt).

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Ici, c’est moi qui commande

Endlich kommen wir da an, wo wir immer hinwollen: Am Meer. Von der Autobahn von Toulon Richtung St. Tropez sehen wir es plötzlich, es glitzert und funkelt und liegt blau und weit vor uns. Die stressige Vorbereitungszeit ist vergessen, wir sind angekommen.

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Bei Hyères biegen wir ab und folgen den Schildern Richtung Presqu’île de Giens, unserem Reiseziel. Wir haben vorab online einen Campingplatz ausgesucht, wollen nun aber doch noch kurz herumfahren und vielleicht spontan einen anderen Platz auswählen. Aber das Kind spielt bei dieser Idee nicht mit und schreit Zeter und Mordio auf der Rückbank. Entnervt lassen wir das mit der Spontanität sein und fahren mit überhöhter Geschwindigkeit zum ursprünglich ausgewählten Campingplatz.

Die Suche nach dem perfekten Platz

Die Wahl stellt sich schon nach wenigen Minuten als die falsche heraus: Der Platz ist eng parzelliert, die Nachbarn – dauercampende Rentner – beäugen uns skeptisch, als wir unter grossem Gefluche und Gekeife versuchen, den Sydney in Position zu bringen.

Deshalb verbringen wir den nächsten Tag damit, einen besseren Campingplatz zu finden und erkunden dabei gleich auch die Insel. Als erstes latschen wir in der Mittagshitze hinauf ins Dorf Giens, ein sehr kleines Dörfchen mit wenig Interessantem und dann wieder hinunter zum Strand Almanarre. Dieser ist kilometerlang, komplett ohne Schatten und dem Wind ausgesetzt. Perfekt für Kitesurfer, bescheiden für Kinder.

An der Westspitze der Insel finden wir kleine geschützte Buchten, das Meer ist tiefblau und ruhig, der Steinstrand aber nichts für uns, da unser Kleiner sich zum Ziel setzt, jeden Stein einzeln mit dem Mund zu untersuchen und wir nur noch damit beschäftigt sind, ihm die Dinger aus dem Mund zu pulen.

Seit wann sind Ferien eigentlich so anstrengend?

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Endlich angekommen

Und plötzlich wendet sich das Blatt: Wir finden den perfekten Campingplatz und gleich in der Nähe auch noch den perfekten Strand. Klein aber fein ist der Platz gleich bei der Tour Fondue, wir haben Meersicht und tolle Nachbarn, mit denen wir abends, wenn alle Zwerge schlafen, einige Flaschen regionalen Wein killen.

Der perfekte Strand, die Plage de la Baume, ist in 15 Gehminuten zu erreichen, liegt in einer ruhigen Bucht und ist dank grossen Bäumen schön schattig. Wir legen zwei gemütliche Strandtage ein.

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An den anderen Tagen fahren wir einmal nach Hyères und machen einmal einen Ausflug auf die Insel Porquerolles. Hyères hat eine hübsche Altstadt, durch die wir spazieren und durch die Hanglage hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Mittelmeer und die Presqu’île de Giens.

Ein grosses Highlight ist Porquerolles. Auf fast jeder Reise haben wir schon «diese tolle vorgelagerte Insel» erlebt, die man mit Fähre oder Ausflugsbooten besucht und die dann komplett überlaufen, aber eigentlich total unspektakulär ist. Porquerolles ist auch total überlaufen, aber der Strand ist wirklich wunderschön. Das Wasser ist so glasklar, seicht und warm, dass unser Sohn nicht einmal merkt, dass er an unseren Händen ins Meer läuft. Und plötzlich findet der wasserscheue kleine Mensch das Plantschen supertoll..

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Und was lernen wir daraus?

Der Heimweg verläuft weitaus weniger stressig als die Fahrt in den Süden. Wir sind entspannt, bestens gelaunt und mittlerweile vertraut mit den Eigenheiten des Sydneys – und aus unerfindlichen Gründen innerhalb von zwei Tagen wieder in Zürich.

Unsere ersten grossen Ferien als Eltern sind also ein voller Erfolg und wir haben erst noch einiges gelernt:

  1. Kinder zwingen dich zur Langsamkeit: Wir waren schon immer gemütliche Autofahrer, unser unzufriedener Passagier auf der Rückbank hat uns aber erst wirklich die Augen für die Schönheit von Autobahnraststätten geöffnet.
  2. Kinder sind die besten Wingmen ever: Natürlich kommt man beim Campen immer ins Gespräch mit den Nachbarn, noch nie aber haben wir an mehreren Tagen Ausflüge mit Campingfreunden gemacht und sind abends so lange zusammengesessen wie diesmal.
  3. Weisswein schmeckt besser als Rosé.
  4. Kinder sind Natural Born Camper: Das ganze Familienrudel schläft auf engstem Raum und man darf den halben Tag nackig rumlaufen. Paradise.
  5. Kinder sind nicht spontan. Ausser sie haben spontan Bock drauf.

Bilder-Galerie Südfrankreich

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