reiseblues

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Wenn es unterwegs mal nicht so toll ist

Reisen ist eine wunderbare Sache und macht glücklich. Davon sind wir überzeugt. Trotzdem hatten wir unterwegs schon öfters schlechte Laune und fühlten uns so gar nicht, als würden wir gerade unseren persönlichen Traum leben. Wenn wir uns in Reiseforen und auf Blogs umschauen, dann sehen wir, dass wir nicht die einzigen sind: Reisen ist eine wunderbare Sache, aber manchmal schlägt der Reiseblues gnadenlos zu.

Dann, wenn man keine Freude mehr empfindet, wenn man weltberühmte Naturwunder und Sehenswürdigkeiten besichtigt. Dann, wenn einem die Kultur des Reiselandes unsympathisch und suspekt ist. Dann, wenn man verschnupft in seinem Hostelbett liegt und sich nichts mehr wünscht, als von Mama einen Zwiebelwickel zu bekommen.

Wir haben die üblichen Reiseblues-Situationen zusammengestellt und verraten dir, was du tun kannst, damit dein mentales Tief ganz schnell wieder zu einem Hoch wird.

Du hast einen Kulturschock

Die Situation: Die Einheimischen in deinem Reiseland erscheinen dir unfreundlich oder sogar angsteinflössend. Du traust dich kaum, deine Unterkunft zu verlassen, weil du Angst hast, von einer Gang überfallen zu werden. Das Essen schmeckt scheusslich und verursacht statt Glücksgefühlen nur Ekel. Du verstehst von der Landessprache gar nichts und bist nicht in der Lage, zu kommunizieren. Du bist überzeugt, dass zu Hause alles besser ist. Ganz klar, du leidest an einem Kulturschock und bist heillos überfordert mit den lokalen Gepflogenheiten.

Die Lösung: Entspann dich und mach dir bewusst, dass es ganz natürlich ist, dass du erstmal nicht genau verstehst, wie du dich an diesem neuen Ort zu verhalten hast. Zu Hause kennst du alle sozialen Codes, du weisst, wie man im Supermarkt Gemüse kauft und wie man die Bushaltestelle findet. Auf Reisen können solche alltäglichen Dinge plötzlich zu grossen Herausforderungen werden und du fühlst dich total fehl am Platz. Geh es ruhig an, gewöhne dich an das neue und gehe auch auf die Leute zu. Du wirst merken, die sind ganz nett und auch nur Menschen.

Der Reisepartner nervt

Die Situation: Eigentlich magst du deinen Reisepartner und geniesst es, Zeit mit ihm zu verbringen. Doch seit einigen Tagen geht er dir immer mehr auf die Nerven und ihr fangt an, euch wegen Kleinigkeiten in die Haare zu kriegen. Will er rechts abbiegen, bestehst du darauf, nach links zu laufen, will er Spaghetti kochen, willst du lieber zum Japaner.

Die Lösung: Oft verbringt man auf einer Reise viel Zeit mit seinem Reisepartner und entscheidet vieles gemeinsam. Kein Wunder, dass irgendwann zu viel Nähe entsteht und man sich gegenseitig auf den Wecker geht. Hier hilft nur eins: Unternehmt hin und wieder etwas getrennt. Das kann eine kleine Auszeit sein, wenn der eine am Strand spazieren geht und der andere sich ins Internetcafé setzt. Oder ihr trennt euch gar für einige Tage und findet später wieder zusammen. Ein wenig Zeit allein kann Wunder wirken und auch wenn es zuerst Angst macht, ist es eine einmalige Erfahrung, auch mal alleine unterwegs zu sein.

Andere Touristen und Backpacker nerven

Die Situation: Wenn du nicht gerade mit dem 4×4 durch Syrien reist oder in der Antarktis Schlitteln gehst, wirst du vermutlich immer wieder auf andere Reisende treffen. Und diese können ganz schön nerven: 20-jährige Backpacker, die dir in Cairns über ihre Jobsuche einen vom Pferd erzählen, ungeduldige Rentner, die sich an der Kasse am Eiffelturm vordrängeln und asiatische Reisegruppen, die am Gran Canyon die besten Fotosujets verderben, weil sie 277 Gruppenfotos machen müssen. Diese Zeitgenossen treiben dich einfach in den Wahnsinn.

Die Lösung: Sei tolerant. Vielen Menschen ist es nicht bewusst, dass sie komplett überreagieren. Wenn du aber das Gefühl hast, jemand benimmt sich wirklich daneben, wenn er zum Beispiel Minderheiten beleidigt oder sich nicht an Verbote hält, dann sag ruhig etwas. Meistens empfinden noch weitere so und unterstützen dich bei deiner Kritik. Die andere Möglichkeit ist es, den grossen Massen einfach auszuweichen. Besuch zum Beispiel Nationalparks oder andere Sehenswürdigkeiten früh morgens statt Mittags. Besuche einen anderen, vielleicht nicht so bekannten Landesteil. Oft verbergen sich auch abseits der bekannten Pfade tolle Orte. Sei dir aber immer bewusst: Auch du bist «nur» ein Tourist und vermutlich auch nicht immer besser als die anderen.

Du hast Heimweh

Die Situation: Du erhälst eine SMS von deiner besten Freundin, die dir sagt, wie sehr sie dich vermisst. Du siehst auf Facebook Fotos vom Grillabend deiner Kumpels. Du beobachtest eine Gruppe Einheimische, die sich im Restaurant fröhlich miteinander unterhalten, während du alleine dein Bier trinkst. Plötzlich willst du nur noch eins: Nach Hause gehen. Du rechnest schon aus, was dich der Flug kosten würde und wann du den heimischen Boden erreichen wirst. Aber nein, du kannst doch nicht so ein Weichei sein und einfach aufgeben.

Die Lösung: Eine Skypesession mit Familie und Freunden kann schon sehr hilfreich sein, wenn das Heimweh plagt. Vielleicht tröstet dich auch das Wissen, dass du meistens nicht allzu viel verpasst, wenn du mal ein paar Monate verschwindest. Auch Ablenkung kann eine gute Methode sein: Misch dich unters Volk, versuche, mit anderen Reisenden oder Einheimischen in Kontakt zu kommen.

Du bist übersättigt

Die Situation: Bislang warst du von deinem Reiseland begeistert und jeder Ort hat dich aus den Socken gehauen. Doch der fünfte Nationalpark in den Staaten entlockt dir nur noch ein müdes «naja» und der weisse Sandstrand löst bei dir etwa gleich viel Emotionen aus wie der Jahresbericht des Hasenzüchtervereins Münsingen. Du weisst zwar, dass du gerade etwas Tolles erlebst, nur fühlst du dich überhaupt nicht mehr so.

Die Lösung: Du bist vermutlich schon ein Weilchen unterwegs und hast schon einige tolle Orte gesehen. Gut möglich, dass du bislang in einem hohen Tempo gereist bist und deine Tage vollgepackt waren mit Unternehmungen. Nimms ein bisschen lockerer und bleibe mal ein bisschen länger an einem Ort. Lass so etwas wie einem Alltag zu, setz dich morgens in ein Café und lies Zeitung, chill einen Nachmittag im Park. Nimm den Druck von dir, alles sehen zu müssen und möglichst viele Erlebnisse zu machen. Das stumpft dich nur ab.

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