Australien Ostküste

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Ein kurzer Bericht über vier Wochen Ostküste: Sydney und Queensland.

Sydney

Sydney ist eine Stadt, die ich schon immer mal anschauen wollte. Vor allem die weltberühmte Oper hat es mir angetan. Und so freute ich mich sehr auf Sydney. Nach einem 10-Stunden-Flug von Hawaii sassen wir erstmal 2 Stunden am Flughafen fest, weil wir entweder den Shuttle-Bus-Verantwortlichen mit seinem originalen Aussie-English falsch verstanden haben (ehrlich gesagt, ich habe gar nichts verstanden) oder er uns falsch verstanden hat. Das Ganze hat sich dann aufgelöst, als wir immer hungriger wurden und unsere guten Manieren darob verloren. Schon bei der Fahrt zum Hostel wussten wir, dass uns diese Stadt gefallen wird. Nach 2.5 Monaten USA freuten wir uns, dass Sydney wieder europäischer ist. Es gibt Fussgänger hier, Ladenöffnungs- und -schliesszeiten und Strassencafés statt nur Drive-In-Restaurants. Zusätzlich war noch die Stadt voll mit Engländern, weil das Finale der Commonwealth-Rugby-Meisterschaft zwischen Australien und Grossbritannien in Sydney anstand. Der Match, im überfüllten Pub voller Engländer war ein Erlebnis für sich :-).

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Viel vom Charme von Sydney macht aus, dass es sehr Fussgängertauglich ist. So sind wir viele Kilometer in der Stadt gelaufen. Die ganze Waterfront gegen den alten Hafen ist schön gemacht und begehbar. Am besten gefallen hat uns Darling Harbour, mit seinen vielen Restaurants und Shops. Schön war auch die Aussicht vom Fernsehturm, der fast inmitten der Wolkenkratzer steht und diese überragt. Das Sydney-Opera-House ist eine architektonische Klasse für sich. Optimal positioniert auf einer Landzunge im Hafen und eines der schönsten Gebäude der Welt. Auch sehr schön anzuschauen bei einer Dinner-Hafenrundfahrt am Abend.

Das Einzige, was an Sydney etwas negativ ist, sind die saftigen Preise. Diese Stadt ist teurer als unsere Heimatstadt Zürich. Darüber beklagen sich aber auch die Locals, mit denen wir ein bisschen gequatscht haben. Irgendwie ein bisschen wie in Zürich :-). Sydney war für uns ein Stück Europa am anderen Ende der Welt.

Northern Queensland

Der Trip in den Norden begann mit einem Flug nach Cairns und dann mit einer Greyhound-Busfahrt wieder in den Süden nach Townsville. In Townsville sass ich aber erstmal im Bett fest mit einer Erkältung, die ich mir bereits in Sydney zugezogen habe. Dies hat sich leider die ganze Woche lang nicht geändert, sodass ich am Ende nicht viel von der Stadt gesehen habe. Es soll aber auch nicht so viel zu sehen geben, hat mir meine Reisepartnerin nach ihrem Sightseeing-Tag verraten. Dafür hatte ich mehr Zeit, die Unterkunft – ein Bunglaow auf einem Campingplatz – zu geniessen.

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Nach einer Woche TV gucken und Bücher lesen war wieder Greyhound nach Cairns angesagt. Dort bewohnten wir ein Studio mit Küche. Cairns ist eine nette kleine Backpacker-Stadt, am berühmtesten für die Ausflüge zum Great Barrier Reef. Das haben wir natürlich auch gemacht. Da fährt man raus auf einem modernen Katamaran und ankert bei einem der vielen Korallenriffe. Dann packt man sich das Schnorchel-Set und schwimmt los, zusammen mit farbigen Fischen, im Wasser schwebenden Schildkröten und, wenn man Glück hat (Karin), mit einem Hai. Man kann auch Pech haben und die falsche Hai-Sorte erwischen :-). Ist echt was Spezielles, wenn man die Tiere so nah sieht.

Nach einer Woche Cairns haben wir uns noch 4 Tage in einem teuren Resort auf der traumhaften Fitzroy Island gegönnt, um mal ein bisschen abzuschalten, bevors dann weiterging nach Alice Springs.

Bildergalerie Australien Ostküste

Kurztrip nach Innsbruck

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Silvester in Zürich zu feiern, ist dieses Jahr keine Option für uns und so schweifen wir wieder einmal in die Ferne. Die Ferne ist in diesem Fall eher relativ, denn unser Ziel befindet sich mit dreieinhalb Stunden Zugfahrt doch einigermassen in der Nähe. Wir fahren nach Innsbruck.

Unkompliziert und günstig ist die Anfahrt im ÖBB Railjet, unkompliziert und verhältnismässig teuer dann das Check-In im Hotel Hilton in Bahnhofsnähe. Wir puffen ein und bestaunen unsere luxuriöse Unterkunft. Meinem Job im Reisebüro sei dank, dass wir uns ab und an ein solches Hotel leisten können. Um das teure Zimmer ausgiebig zu amortisieren, chillen wir erst einmal ein paar Stunden, zappen durch alle 200 Kanäle des Flatscreen-TV und duschen heiss und lange.

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Danach packen wir uns warm ein, um die Stadt und das angekündigte Feuerwerk zu bestaunen. In der Innenstadt sammeln sich Einheimische und Touristen, Glühwein, Wurst und Live Rock’n’Roll sorgen dafür, dass es den Besuchern trotz Minusgraden warm bleibt. Um Mitternacht dann das prächtige Feuerwerk über dem Inn, das allen den Atem verschlägt. Sagt man. Wir Deppen sehen es leider nicht, da wir uns ungünstig hinter einem hohen Haus positioniert haben.

Berge so weit das Auge reicht

Eindrücklich an Innsbruck ist jedoch nicht das Silvester-Feuerwerk, sondern seine Lage. Tief unten im Tal liegt die Stadt mit 120’000 Einwohner, nach Süden führt die Brennerautobahn nach Italien, nach Norden geht’s nach Bayern und egal wohin man schaut, sieht man hohe, schneebedeckte Berge.

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Obwohl zumindest mir Strand und Hitze sympathischer ist als Berge und Eiseskälte, lassen wir es uns nicht nehmen, einen dieser Gipfel zu besteigen. Tram Nummer sechs, so finden wir nach kurzer Internetrecherche heraus, fährt nach Lans, von wo aus die Luftseilbahn auf den Innsbrucker Hausberg mit dem tollen Namen Patscherkofel führt. Bei strahlendem Sonnenschein und begleitet von einer gefühlten Million Ski- und Snowboardfahrern aus Italien und Russland quetschen wir uns in die Gondel und schon nach wenigen Minuten erreichen wir die Bergstation auf knapp 2000 Metern.

Das Panaroma ist wirklich eindrücklich. Nach Westen blicken wir ins Stubaital, leichte Nebelschwaden verleihen dem verschneiten Tal eine mystische Atmosphäre. Im Norden sehen wir weit entfernt die fast 3000 Meter hohe Zugspitze, zu unseren Füssen Innsbruck auf 574 Metern Höhe. Bald schon sind wir anständig durchgefroren und verschwinden in der Schneebar, um uns bei Gulaschsuppe und Lumumba wieder aufzuwärmen.

Knödel, Schnitzel und historische Bauten

Ins Innsbruck sollte man unbedingt auch die lokale Küche ausprobieren. Obwohl wir von unserem Trip ins Gebirge ganz schön geschafft sind, gehen wir abends noch essen und lassen uns Semmelknödel, ein Wiener Schnitzel, das so gross ist wie ein Teller und Kaiserschmarren schmecken.

Am nächsten Tag erkunden wir die Innenstadt von Innsbruck. Da der 2. Januar hier kein Feiertag ist, aber viele wohl Brücke machen, wimmelt es von Menschen, die in den zahlreichen Geschäften shoppen gehen.

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Wir starten unseren Spaziergang bei der Triumphpforte, eines der Wahrzeichen der Stadt. Weiter geht es entlang der Maria-Theresien-Strasse zur Annasäule, die vor der imposanten Bergkulisse ein beliebtes Fotomotiv darstellt. Die Strasse ist hier Teil der Fussgängerzone, über die wir weiter gegen Norden in die Herzog-Friedrich-Strasse spazieren. Hier befinden wir uns mitten in der Altstadt und die Strasse wird von alten, wunderschön verzierten Häusern gesäumt. Ganz am Ende befindet sich das berühmte Goldene Dachl, ein Prunkerker, der mit viel Gold verziert ist und um 1500 erbaut wurde.

Weiter geht es durch die Riesengasse gegen Osten und dann durch den Innenhof der Kaiserlichen Hofburg, die neben der Hofburg und dem Schloss Schönbrunn in Wien zu den bedeutendsten Kulturbauten Österreichs zählt. Zur Hofburg gehört auch ein Garten, der heute als Park öffentlich zugänglich ist. Zwischen schneebedeckten Wiesen und imposanten Tannen spielen einige Männer Schach auf einem grossen Feld, Kinder und Hunde toben durch den Schnee.

Zurück geht es entlang dem Inn zum Marktplatz mit Blick auf die bunten Häuser des Stadtteils Mariahilf. Dahinter – wie immer – die hohen Berge, hier die Nordkette mit Seegrund und Hafelekar.

Die Zeit rennt und statt Besuchen in einem der zahlreichen Museen der Stadt heisst es für uns bereits wieder Heimreise antreten. Der Railjet bringt uns gemütlich nach Hause.

Bildergalerie Innsbruck

Türkei – von Moscheen und Segelyachten

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Unsere dreiwöchige Reise durch die Türkei startet in Istanbul. Wir wohnen im altehrwürdigen (auch etwas touristischen) Stadtteil Sultanahmet, unser Hotel liegt in einem Wohnbezirk, wohin sich nur wenige Touristen verirren.

Neben den grossen Touristenattraktionen, wie die blaue Moschee und dem Topkapi Palast, wo der mächtige Sultan des Osmanischen Reiches einst residiert und regiert hat, interessiert uns natürlich auch die aktuelle Geschichte und wir schlendern über die grosse Einkaufsstrasse Istiklal Caddesi zum Taksim Platz. Von Demonstranten keine Spur, der Platz und die Strassen um den Platz sind aber voll mit Polizisten und Wasserwerfern. Schön ist der Platz und der angrenzende Park trotzdem. Die fünf Tage in Istanbul lassen wir uns durch die Strassen treiben, durch gigantische Bazare, kleine Moscheen, geschlechtergetrennte Hamams, familiengeführte Textilmanufakturen und mobile Fressstände. Nur etwas suchen wir vergebens: den Döner Kebab 🙂

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Nach knapp einer Woche in dieser schönen Stadt am Meer besteigen wir einen Nachtbus nach Bodrum. Diese Fahrt startet aufregend, denn der Bus (3 Sitze in einer Reihe) ist nicht der gleiche wie derjenige im Onlinebuchungssytem (4 Sitze in einer Reihe) und deshalb stimmen die Sitznummern auf den Tickets nicht mit den Sitznummer im Bus überein. Zwar haben alle das gleiche Problem, aber wir sind die einzigen, die kein Türkisch verstehen und haben deshalb keine Ahnung, was vor sich geht. Nachdem der Bus von etwa 6 verschiedenen Personen der Busfirma inspiziert wurde (alle mit grossem Fragezeichen über dem Kopf) wird nach 2 Stunden ein neuer Sitzplan verabschiedet, bei dem wir glücklicherweise sogar zusammen sitzen dürfen. Keine Selbstverständlichkeit in der konservativen Türkei, denn hier sitzen Frauen und Männer, die nicht verheiratet sind, eigentlich nie nebeneinander. Aber bei uns Touris drücken sie ein Auge zu. Der Bus ist ultra-komfortabel mit riesigem Beinraum (vergleichbar mit Amtrak-Sitzen) und einem Bildschirm im Vordersitz, wo man türkische Filme schauen oder im Internet surfen kann. Zusätzlich zum ganzen Sitzkomfort ist auch noch ein Steward an Bord, der immer wieder Getränke und Snacks serviert. Nach dreizehn Stunden Fahrt kommen wir in Bodrum an.

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Dort hatten wir vorab eine Ferienwohnung hoch oben am Berg gemietet. Aus einem uns nicht bekannten Grund bekommen wir ein Upgrade und checken in einer riesigen Wohnung mit toller Aussicht ein. Unsere Vermieterin ist super nett, allerdings spricht sie in etwa so viel Englisch wie wir Türkisch. Sehr wenig. Dennoch geben wir unser Bestes, uns mit ihr sowie Waschsalonbesitzern, Wirten, Verkäufern in Türkisch zu unterhalten. Unsere Versuche kommen bei den Einheimischen sehr gut an und sorgen für viel Gelächter. Die wenigen Tage in Brodrum verfliegen nur so und bald heisst es wieder: Aufbruch.

Für die letzte Phase unserer Reise müssen wir nochmals ein bisschen Bus fahren, um nach Fethyie zu gelangen, wo unser Segelschiff für uns bereit liegen sollte. Der Törn, den wir bereits online gebucht haben, wird von Join The Crew organisiert. Das Konzept ist, dass man Teil der Crew ist und mitarbeitet, dafür ist es etwas günstiger. Das Boot, eine Segelyacht für acht Personen, hat ziemlich viel Platz, was wir nicht gedacht hätten. Der Rest der Crew inklusive Skipper kommt direkt aus Deutschland und wir finden es nach sechs Monaten Reise doch schräg, auf Leute zu treffen, die gerade vom Arbeiten kommen.

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Am nächsten Tag gehts los. Tagsüber wird gesegelt, die Nächte verbringen wir abwechslungsweise in Buchten oder kleinen Häfen. Highlights sind das Baden und Schnorcheln in glasklarem Wasser in den Buchten, Segeln mit 45 Grad Krängung und das Durchfahren einer aktiven militärischen Sperrzone, inklusive Abgefangen werden durch ein Patrouillenboot und zuschauen bei Torpedoabschussübungen.

Die letzte Nacht verbringen wir im Hotel in Fethyie und bekommen auch hier nochmal ein Upgrade. Diesmal eine Suite mit eigenem Pool vor dem Balkon. Nicht nur deshalb können wir sagen: Wir sind grosse Türkei-Fans geworden und kommen auf jeden Fall zurück.

Bildergalerie Türkei

Singapur – Wolkenkratzer und spicy Noodles

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Unsere Ankunft am super modernen Changi Airport wird von Kuhglockengeläut und Schneegestöber begleitet – Schweiz Tourismus startet ihre Werbeausstellung. Wir wundern uns kurz, welches Image unser Heimatland nach Asien transportieren will, werden dann aber von unserem eigenen Kulturschock wieder abgelenkt, als wir unser Hotel in Little India erreichte. Ich war ja noch nie in Indien und kann das insofern nicht mit Überzeugung sagen, aber so, wie es in Little India aussieht, so stelle ich mir Indien vor. Kleine Geschäfter mit unbekannten Gewürzen und Gemüsesorten, Frauen in Saris und ein unglaubliches Gewusel in den engen Gassen. Und dazu leckerstes indisches Essen!

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Das Essen ist überhaupt ein spannendes Thema in Singapur. Es gibt eine unglaubliche kulinarische Vielfalt. Da in Singapur Chinesen, Malay und Inder leben, sind deren Gerichte vertreten, es hat sich aber auch eine Fusion-Küche entwickelt, die verschiedene Gerichte kombiniert. Serviert werden diese Köstlichkeiten entweder in Restaurants oder in der absoluten genialen Einrichtung der Hawker-Centers. Ein Hawker-Center ist eine Ansammlung von Essenständen, meist in einem halboffenen, parkhausähnlichen Gebäude zu finden. Ein Essenstand reiht sich an den nächsten und in der Mitte stehen Plastiktische und Stühle, wo man sich nach dem Essenfassen hinsetzt und mit den Einheimischen zusammen seine Nudelsuppe oder sein Chicken-Curry schlürft. Das Essen ist frisch, scharf, lecker und spottbillig. Dabei kommt man auch schnell mit den freundlichen und humorvollen Menschen ins Gespräch. Glücklicherweise ist Englisch in Singapur eine der vier offiziellen Sprachen und so klappt auch die Kommunikation hervorragend.

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Als grosse Ess-Fans verbringen wir folglich ca. 80% unserer Zeit in Hawker-Centers und fressen uns einmal quer durch die Küche Singapurs. Mjammi.

Neben dem Essen klappern wir auch die weiteren Sehenswürdigkeiten von Singapur ab und lassen uns durch die Strassen des Stadtstaates treiben. Von vielen wird Singapur als langweiliges Steuer- und Einkaufsparadies bezeichnet und mit dem uncharmanten Attribut «einziges Shoppingcenter mit Sitz in der UNO« abgetan, wir jedoch empfinden die Stadt mit ihrem kulturellen Mix als extrem spannend. Neben Little India gibt es in Singapur auch ein Chinatown, eine Arab Street und einen westlich inspirierten Business und Shopping District.

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Diese kulturelle Vielfalt hat die Ethnologin in mir natürlich begeistert. In Singapur leben die verschiedenen Kultur- und Religionsgruppen direkt nebeneinander. Oft steht neben einer Moschee ein Hindutempel und neben einer Kirche ein buddhistischer Tempel. In den Strassen sieht man Frauen in Hotpants und T-Shirt, Frauen in Saris, Frauen mit Schleier. Chinesen unterhalten sich in der U-Bahn mit Indern in Singlish, einer Mixsprache aus Englisch, Mandarin und anderen chinesischen Dialekten.

Ebenso eindrücklich wie die verschiedenen ethnischen Viertel finden wir den Business District. Hier gibt es ultramoderne Wolkenkratzer und natürlich das weltberühmte Marina Bay Sands Hotel zu sehen. Zusammen ergeben diese Gebäude eine beeindruckende Skyline, die vor allem abends mit den Lichtern und der Bucht eine sehr fotogene Kulisse darstellt.

Bildergalerie Singapur

Vier Wochen Costa Rica

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Unsere Reise durch Costa Rica startet in Alajuela, einer Stadt im Landesinnern, wo auch der Flughafen ist. Wir wohnen in einem Hotel ausserhalb der Stadt, geführt von einer Schweizerin. Dora ist eine super liebe Frau und liebt es, Geschichten über ihre Wahlheimat zu erzählen. Alajuela selber ist nicht eine spannende Destination, aber man kann gemütlich einen Nachmittag im Parque Central hängen und Leute beobachten.

Nach 5 Tagen verlassen wir Alajuela und fahren mit dem Bus nach Santa Teresa, auf die Nicoya-Halbinsel. Das Bussystem in Costa Rica ist sehr gut, muss aber erst mal verstanden werden. Es gibt keine staatlichen Busgesellschaften, sondern viele private, was bedeutet, dass es keinen allgemeinen Fahrplan oder eine zentrale Bushaltestelle in den Städten gibt. Im Internet und in den Reiseführern stehen zwar Abfahrtszeiten und -orte, die stimmen aber kaum einmal und am besten ist es, man fragt sich einfach durch.

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Die Busfahrt nach Santa Teresa dauert ewig und drei Tage, weil ein grosser Teil der Strassen auf der Nicoya-Halbinsel nicht geteert sind und der Bus deshalb nur 10 kmh fahren kann. Ausserdem hält er in ländlichen Gegenden an jedem Misthaufen, um noch einen Passagier mitzunehmen. Santa Teresa ist eigentlich nur eine lange, seeeeeehr staubige Strasse und ein seeeehr langer, seeehr breiter, seeeehr schöner Strand. Hauptbeschäftigung aller sich in Santa Teresa aufhaltender Menschen ist das Surfen. Und als Ausgleichstraining ein wenig Yoga. Entsprechend sehen alle Leute dort auch verboten gut aus, braungebrannt, zero Fett und Waschbrettbauch. Auch wir haben uns im Surfen und im Yoga versucht, mehr oder weniger erfolgreich. Ausser Surfen und Yoga kann man in Santa Teresa nichts tun. Kommt dazu, dass es zwischen 9 und 16 Uhr so arschheiss ist, dass man auch nichts tun will. 37 Grad ist normal. Trotzdem schwören die dort wohnhaften Expats (Surfer und Kiffer aus Italien, Österreich, England, Deutschland, USA…), dass Santa Teresa der schönste Ort in Costa Rica sei. Wir sind nicht überzeugt, bleiben aber trotzdem 8 Tage dort. Unter anderem auch, weil es zu heiss ist, sich aktiv um die Organisation der weiteren Reise zu kümmern.

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Dann heisst es wieder Bus-Abfahrtszeit rausfinden und weiter geht’s nach Montezuma. Dieses Mini-Hippiedorf wird aus naheliegenden Gründen auch Montefuma genannt und ist für zwei, drei Nächte lohnenswert. Wir geniessen den schönen Strand und ein Bad bei den Wasserfällen. Zudem lernen wir im Hostel lustige Leute kennen, unter anderem zwei deutsche Jungs, die nach Costa Rica kamen, um Land zu kaufen und zu bleiben. Blöderweise wurden sie kurz nach ihrer Ankunft in San Jose überfallen und ihre einzige Kreditkarte war somit erstmal weg 🙂

Nach Montezuma ziehen wir  weiter in den Süden, in der Hoffnung, dass es dort etwas kühler wird. Das ewige Schwitzen gibt uns langsam den Rest und das Schwimmen im 30 Grad warmen Meer ist nicht wirklich erfrischend.

Wir besteigen also das komplett überteuerte Taxi-Boot nach Jaco an der Pazifikküste. Die 40 Dollar pro Person erweisen sich dann aber trotzdem noch als gute Investition, denn wir sehen unterwegs Delfine. Viele Delfine. Geil.

Jaco selber ist ein hässlicher Ferienort und nach einer Nacht in einem wirklich geilen Hostel mit wirklich geilem Pool nehmen wir wieder einen Bus nach Uvita. Dort steigen wir in einem Öko-Hostel ab, geleitet von zwei Ami mit vielen Ami-Volunteers und Ami-Gästen. Das ganze Ding wird sehr nachhaltig betrieben, ist aber auch sehr hippiemässig (wie eigentlich alles an der Pazifikkueste, wo sich die Expats niedergelassen haben). Highlights sind eine ABC-Party am Samstag und ein Opossum im Zimmer. «ABC» steht fuer «anything but clothes» und heisst, man muss sich mit irgendwelchen Materialien verkleiden. Aus Plastiksäcken, Wäscheleine und Leinen-Schlafsack basteln wir unsere Kostüme und mischen uns unter die Partypeople. Eine Nacht später weckt uns ein Kratzen und Knabbern mitten in der Nacht in unserer sehr bescheidenen Hütte. Mangels anderer Lichtquellen zünden wir mit der Taschenlampe in Richtung Geräusch und ein lustiges kleines Tier mit grossen Knopfaugen und nacktem Schwanz guckt uns interessiert an. Wir googeln erstmal, was das für ein Vieh sein soll und versuchen dann, es zu vertreiben. Das Opossum interessiert das nicht gross, irgendwann zottelt es aber wieder davon. Am nächsten Morgen fehlt ein Ohropax, der zweite liegt noch angefressen auf dem Nachttisch :-).

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Irgendwann wird es uns wirklich zu heiss und wir beschliessen, in die Berge zu fahren. Also wieder Bus besteigen und losgetuckert. In San Gerardo de Rivas, einem ganz kleinen Dorf nahe dem höchsten Berg Costa Ricas (dem Cerro Chirripo auf 3800 Meter) bleiben wir drei Tage. Das kühlere Klima, die schöne Natur und die freundlichen Menschen (keine Expats, sondern Ticos, also Costa Ricaner) begeisterten uns. Wir wandern durch den Nebelwald, durch die Wiesen und Wälder des Tals, bestaunen Wasserfälle, werden von einem Nasenbär mit Nüssen beworfen und besuchen heisse Quellen mitten im Wald.

 

Zum Abschluss unserer Reise durch Costa Rica fahren wir nach Turrialba, um dort zu River Raften. Bei der einzigen Tico-River-Rafting-Gesellschaft buchen wir eine Tour, werden zum Rio Pacuare gefahren und besteigen nervös das Gummiboot. River Raften ist mega geil, auch wenn man pflotschnass wird und wie ich in den Stromschnellen aus dem Boot fällt. Die Guides sorgen dafür, dass wir uns im Notfall richtig verhalten und unterhalten uns mit witzigen Spruechen. Die Natur am Rio Pacuare ist traumhaft, wir raften durch den dichten, unberührten Regenwald und an verschiedenen Stellen springen wir auch freiwillig aus dem Boot in den kühlen Fluss.

Unglaublich beeindruckend sind in Costa Rica die vielen Tiere, die man überall von sehr nah sieht. Neben Insekten und den üblichen Haus- und Nutztieren ist es auch ganz normal, dass Brüllaffen morgens vor dem Zimmerfenster rumbrüllen (seeeeehr laut), Kapuzineraffen Fangis spielen und fette Leguane auf den Bäumen rumturnen.

Bildergalerie Costa Rica

Mit dem Zug durch die USA

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Unsere Idee, statt mit dem Auto oder Flugzeug mit dem Zug durch die USA zu reisen, löste bei vielen Erstaunen aus. Aber als grosse Zug-Fans waren wir sehr angetan von diesem Plan und fingen bereits einige Monate vor unserer Weltreise mit der Recherche an. Schnell wurden wir fündig: Der Amtrak bedient ein relativ grosses Streckennetz in den USA. Unser Start-Bahnhof Chicago war mit einigen Städten verbunden und mit ein bisschen Knobeln fanden wir rasch eine geeignete Strecke. Dazu muss gesagt sein: Ganz anders als in Europa werden in den USA die Strecken nicht mehrmals täglich, sondern oft nur einige Male pro Woche befahren. Und die Distanzen in den USA sind enorm – man verbringt also sehr sehr viel Zeit im Zug.

Unkompliziert buchten wir die Tickets vorab online, die Preise für die Holzklasse waren im Rahmen, Liegeabteile wären uns viel zu teuer gewesen. Dass aber die Holzklasse auch nicht von schlechten Eltern ist, stellten wir dann später erfreut fest.

Am Tag unserer ersten Zugreise fanden wir uns pünktlich zum Check-In in der Union Station in Chicago ein. Wie beim Fliegen wird hier auch beim Zugfahren das Gepäck aufgegeben und man reist mit Handgepäck. Für uns hiess das: Alles Notwendige mit in den Daypack stopfen, Zahnbürste, Brillenetui, Decke, warmer Pullover etc, denn unsere Rucksäcke sollten wir erst 20 Stunden später in New Orleans wieder in Empfang nehmen dürfen.

Um 20 Uhr ging es los, die Lichter von Chicago beleuchteten den Nachthimmel und wir machten es uns in unserem Abteil gemütlich. Zwar reisten wir wie gesagt in der Holzklasse, sprich kein Liegewagen, sondern ganz normale Sessel, aber in den USA gilt eben auch im Zug: Bigger is better. Und so verfügen die bequemen Amtrak-Sessel über enorm viel Beinfreiheit, sind sehr breit und lassen sich praktisch ganz in die Horizontale herunterklappen. Begleitet wurde der Zug von mehreren Zugbegleitern, die uns mit Kissen und Decken belieferten und dafür sorgten, dass bei Pausen alle Passagiere rechtzeitig wieder im Wagen waren.

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Wir schliefen tatsächlich wie die Babies und kriegten von der Nachtfahrt nicht viel mit. Dann dauerte es nur noch einige Stunden und wir kamen in New Orleans an. Die Fahrt über den Lake Pontchartrain war super eindrücklich.

Drei Tage Amtrak-Pause gönnten wir uns in New Orleans und bestiegen dann erneut den doppelstöckigen Zug. Dieses Mal starteten wir am Morgen, ganze 36 Stunden Zugfahrt warteten auf uns. Anders als der Zug von Chicago, der einige Pendler transportierte, schien dieser Zug eher ein Touri-Transport-Mittel zu sein. Allerdings handelte es sich praktisch ausschliesslich um amerikanische Touristen und wir zwei Schweizer waren ein echtes Highlight für die Mitfahrenden. Der Amtrak teilt sich in zwei Hälften auf: zwei Wagen Holzklasse und zwei Wagen mit Liegeabteilen. Dazwischen befindet sich der Lounge-, Ess- und Begegnungswagen. Im Begegnungswagen, ein Panorama-Wagen mit riesigen Fenster, lässt sich wunderbar die karge Landschaft beobachten und es findet sich hier auch immer jemand, der ein Schwätzchen halten will. Die Amis sind sehr neugierig und es verging kaum eine Stunde, in der wir nicht mit irgendjemandem über Gott und die Welt quatschten. Schon nach wenigen Stunden kannten wir die Lebensgeschichten unserer Mitreisenden. Am Abend assen wir im Speisewagen, aus Platzgründen werden auch hier die Reisenden bunt durcheinander gewürfelt und man isst mit Wildfremden zu Abend.

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Die Nacht war dieses Mal unruhiger, in El Paso wurde ein von Norden kommender Zug an unsere Wagen angehängt und der Zug hielt ausgerechnet neben einer Bar in El Paso, in der offenbar eine riesen Party stattfand. Den nächsten Tag verbrachten wir mit den üblichen Amtrak-Aktivitäten: Aus dem Fenster gucken, Monopoly spielen, mit den Mitreisenden quatschen. Doch für den Nachmittag war eine grosse Sache angekündigt: Die Lady aus dem Lounge-Wagen lud zum gemeinsamen Trivia-Spielen im Begegnungswagen. Es kamen ca. 20 Personen zusammen, die alle mit vollem Elan dabei waren, diverse Rätsel und Aufgaben zu lösen. Wir hatten bei den meisten Fragen null Ahnung, gaben aber unser Bestes, als es darum ging, Lieder zu singen und zu erkennen. Den Moment, als wir mitten in der Wüste Arizonas mit einer bunt zusammen gewürfelten Truppe die Amerikanische Hymne sangen, werden wir nie vergessen.

Bald waren auch diese langen 36 Stunden vorbei und wir kamen in Tucson an. Dort blieben wir zwei Nächte und stiegen dann ein letztes Mal in den Amtrak. Die 8 Stunden nach Los Angeles, gefolgt von weiteren 3 Stunden nach San Diego sassen wir als mittlerweile alte Amtrak-Hasen auf einer Arschbacke ab.

Unsere Sturheit hat sich also gelohnt: Auch im Autoland USA ist eine Zugfahrt ein echt tolles Erlebnis und die Reise mit dem Amtrak wird uns für immer in Erinnerung bleiben.

Bildergalerie USA Amtrak

Wonderful St. Lucia

st.luciaDie erste Station unserer Weltreise heisst St. Lucia. Vor vier Monaten hatte ich noch keine Ahnung, wo dieses Land liegt, nun steige ich aus dem Flugzeug und laufe in das kleine Flughafengebäude des Hewanorra International Airport im Süden der Karibikinsel. Johnney, der Besitzer des Cottages, das wir vorab online gebucht haben, holt uns am Flughafen ab und bringt uns zu unserer Unterkunft direkt am Meer. Unser Häuschen ist mit allem ausgestattet, was wir brauchen – sprich Bett, Klo und ein traumhafter Blick auf das karibische Meer. Wir knallen unsere wenigen Habseligkeiten aufs Bett und gehen los, um die Umgebung zu entdecken.

Am Wasser entlang wandern wir zum grossen Strand Anse de Sable, unterwegs treffen wir streunende Hunde und Minibusse, aus denen laute Reggae-Musik klingt. Unsere innere Uhr zeigt bereits abends um zehn an und wir haben einen Bärenhunger. Am Strand erreichen wir unser Ziel, das Reef Beach Café und lassen uns an einem der Plastiktische im Sand nieder. In der Hitze dösen Hunde und in der Kite-Surf-Schule neben dem Café bereiten die Surf-Lehrer die Boards vor. Der freundliche Kellner empfiehlt uns, ein lokales Bier, das Piton zu probieren und trifft damit genau unseren Geschmack. Das eisgekühlte Bier schmeckt wunderbar erfrischend, der Salat, den wir dazu bestellen, ist super lecker. Später laufen wir in der Dunkelheit am Strand entlang zurück zu unserem Cottage. Ist das wohl gefährlich? Vermutlich würden wir im Internet lesen können, dass man nachts nicht alleine am Strand unterwegs sein sollte, wir fühlen uns aber sicher.

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In der Nacht schlafe ich schlecht und träume von tropischen Krankheiten und Todesgefahr durch Mückenstiche. Als ich aufwache, verfluche ich die Infobroschüren des Zentrums für Reisemedizin der Uni Zürich und gehe aufs Klo. Zum Glück bin ich noch im Halbschlaf, als ich auf dem Rückweg zwei riesigen Kakerlaken begegne.

Am nächsten Morgen bin ich dank Jetlag um sechs Uhr wach und stehe rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf der Veranda. Langsam erwacht St. Lucia und ich kann es kaum glauben, dass ich nun tatsächlich für sieben Monate in solch traumhaften Gegenden unterwegs sein werde. Etwas später ist auch meine bessere Hälfte aufgestanden und wir latschen in der Hitze nach Vieux Fort, die Kleinstadt an der Südspitze der Insel. Die Einheimischen betrachten uns leicht amüsiert, wir fallen mit unserer leuchtend weissen Haut auf unter all den dunkelhäutigen Locals. Irgendwann finden wir ein kleines Restaurant und gönnen uns ein üppiges Frühstück mit frischen Früchten und Kaffee. Danach gehen wir zum Supermarkt, um uns mit Essen für die nächsten Tage einzudecken. Der Supermarkt ist genauso wie in Europa, nur das Personal arbeitet um einiges gemütlicher als zu Hause. Aber wir haben ja Zeit.

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Am Nachmittag gehen wir spazieren und hängen im Reef Beach Café, in welches wir uns verliebt haben und das uns mit Piton und Abendessen versorgt. Am nächsten Morgen müssen wir den Inselsüden schon wieder verlassen, Johnney bringt uns zur Bushaltestelle aka staubige Kreuzung in Vieux Fort. Wir nehmen Platz im Minibus, der uns nach Castries und weiter nach Rodney Bay bringen soll. In gemütlichem Tempo geht es quer über die Insel, unterwegs steigen immer mehr Leute zu und aus den Boxen dröhnt die obligate Reggae-Musik. Dagegen anbrüllend unterhalte ich mich mit dem Fahrer, er erzählt mir von der Kolonialzeit und der Entwicklung von St. Lucia seit der Unabhängigkeit. In Castries müssen wir umsteigen, wir warten im Schatten auf den nächsten Bus. Schnell komme ich mit einer Frau ins Gespräch, die Wasser und Eis verkauft und mich fragt, woher wir kommen. Sie fragt mich aus über die Schweiz und verrät mir im Gegenzug, wo die schönsten Plätze auf St. Lucia zu finden sind.

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Mit den Bus gehts weiter in Touristenort Rodney Bay. Dort haben wir uns ein edles Hotel reserviert und wir werden nicht enttäuscht. Eine coole Poolanlage, eine Openair-Bar und freundliches Personal. Wir puffen ins unserem riesigen Zimmer ein und spazieren zum Strand. Am Abend wollen wir essen gehen, erschrecken uns aber ein bisschen an den Preisen, die hier viel höher sind als im Süden. Schlussendlich landen wir in einem chinesischen Takeaway. Nicht sehr karibisch. Danach versumpfen wir in einer der vielen Bars und unterhalten uns bei Piton-Bier und Rum-Cocktails mit den Locals. Am nächsten Morgen müssen wir bereits abreisen, da unsere Fähre nach Guadeloupe am Mittag ablegt. Die Dame an der Reception fragt, ob sie einen Transfer für uns organisieren soll. Als wir sagen, dass wir den öffentlichen Bus nehmen, schaut sie skeptisch und fragt, ob wir schon mal in St. Lucia mit dem Bus gefahren sind. Als wir bejahen, lächelt sie erleichtert und wünscht uns eine gute Fahrt.

Der Fährhafen ist eine internationale Grenze und deshalb müssen wir beim Einchecken unsere Pässe zeigen und unser Gepäck durchsuchen lassen. Statt Förderband und Body-Scanner sind hier aber nur die Hände der Beamten im Einsatz, die Passkontrolle besteht aus einem Tischchen und einem Barhocker. Viel zu schnell liegt St. Lucia hinter uns, als wir mit der Fähre in Richtung Guadeloupe ablegen.

Bildergalerie St. Lucia

Bienvenido en Puerto Rico

puerto-ricoAy ay ay ay ay ay … Puerto Rico! Was schon Vaya Con Dios besungen haben, wollen wir nun live sehen. Also steigen wir in Guadeloupe in einen Mini-Flieger, der uns von den kleinen, nun auf die grossen Antillen bringen soll. Im Internet haben wir ein Hostel in Old San Juan gebucht, der historischen und Unesco-geschützten Altstadt der Metropole San Juan. Als wir am Flughafen von San Juan ankommen, überrascht uns ein alter Freund von Lukas und spielt Chauffeur für uns. Wie viele junge Puerto Ricaner spricht er fliessend Englisch mit unüberhörbarem Ami-Einschlag. Meine Spanisch-Kenntnisse werde ich hier wohl nicht auffrischen können.

Wir checken spät abends im Hostel ein und Lukas Freund überredet uns, noch etwas essen zu gehen, obwohl wir eigentlich nudelfertig sind. Seine Gastfreundschaft überfordert mich ein bisschen und als wir unser Abendessen im überklimatisierten Burger King einnehmen, sinkt meine Laune. So habe ich mir das hier nicht vorgestellt, wo sind bitte Karibik-Feeling und Latino-Lifestyle hin?

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Am nächsten Tag werden wir von unserem enthusiastischen Guide abgeholt, er will uns seine Insel zeigen. Wir setzen uns ins Auto und fahren los. Erster Stopp ist eine gigantische Shopping-Mall, wo wir im K-Mart Picknick einkaufen gehen. Auf dem Parkplatz reiht sich SUV an SUV und ich bin völlig enttäuscht von Puerto Rico. Alles Schlechte haben sie von den Amis übernommen, so mein erster Eindruck. Aber je weiter wir aufs Land hinausfahren, desto mehr fühlen wir uns wieder in der Karibik. In einem Dorf machen wir eine Pause in einer Gelateria, hier kann man sogar Glacé mit Knoblauchgeschmack essen! Unser Freund bringt uns bei, wie wir auf Spanisch bestellen und die Verkäuferinnen lachen herzlich über unsere Bemühungen.

Die nächsten zwei Tage erkunden wir Old San Juan und testen die Mojitos in den Bars. Old San Juan ist wunderschön, die bunten Kolonialhäuser reihen sich aneinander und die Stadt wird umrahmt vom karibischen Meer. Langsam entdecken wir auch die spanisch-südamerikanische Seite von Puerto Rico und Lukas’s Versuche, sich in Spanisch zu verständigen stossen auf viel Freude und Gelächter bei den Einheimischen.

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Am vierten Tag mieten wir uns ein Auto, um in den Nationalpark El Yunque zu fahren. Um unser Auto abzuholen müssen wir erst mit dem öffentlichen Bus fahren, im Autoverrückten Puerto Rico ein kleines Abenteuer. El Yunque ist der letzte verbliebene Regenwald auf Puerto Rico und wunderschön. Er ist ziemlich überlaufen von amerikanischen Touristen, die mit SUV die Stichstrasse in den Regenwald abfahren und ab und zu aussteigen, um eine Vierstelstunde zu “wandern”. Obwohl uns dieses Verhalten suspekt ist, geniessen wir den Regenwald sehr. Gegen Abend fahren wir noch an den Strand, und planschen im warmen Karibikmeer. Als wir das Auto in der Dunkelheit zurückbringen und auf den Bus warten, ist uns etwas mulmig zumute. Schliesslich soll San Juan ein gefährliches Pflaster sein und wir befinden uns hier irgendwo in einem Vorort. An der Bushaltestelle kommt ein Mann auf uns zu – er sieht aus wie ein Gangster aus einem Hollywood-Film. Aber anstatt uns abzuknallen, heisst er uns in Puerto Rico willkommen und will unbedingt wissen, ob es uns gefällt auf seiner Insel. Mittlerweile können wir dies mit gutem Gewissen bejahen.

Nach fünf Tagen müssen wir bereits wieder abreisen. Trotz Startschwierigkeiten hat uns Puerto Rico sehr gefallen.

Bildergalerie Puerto Rico

Guadeloupe – le paradis

guadeloupeNach Guadeloupe wollten wir schon immer mal. Ehrensache, dass diese Station auf unserer Reise um die Welt nicht fehlen durfte. Nachdem wir in St. Lucia schon Karibikluft schnuppern konnten und uns an den relaxten Lifestyle gewöhnt hatten, freuen wir uns nun auf die französische Form des Insellebens. Unterkunft und Mietauto hatten wir schon vorab gebucht, nur mit der verspäteten Ankunft der Fähre haben wir pünktliche Schweizer natürlich nicht gerechnet. Zum Glück wartet der Typ von der Mietwagenfirma am Hafen auf uns, als wir in der Dunkelheit endlich eintreffen. Eine kurze Einführung in den Fiat Panda («nicht unter Kokospalmen parkieren»), eine Wegbeschreibung und los gehts. Natürlich verfahren wir uns erstmal und schieben uns gegenseitig die Schuld dafür in die Schuhe, trudeln dann aber doch in unserer Ferienhütte ein. Auch hier wartet der Besitzer unsere späte Ankunft ab, erklärt uns alles Wissenswerte und kassiert die Miete ein. Wir fallen wie zwei Steine ins Bett.

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Am nächsten Morgen inspizieren wir Unterkunft und Umgebung. Die Unterkunft passt, ist aber für unsere Verhältnisse schon fast zu luxuriös, der Strand in 200 Meter Entfernung klein aber fein. Wir satteln den Panda und fahren zum Carrefour, um uns mit Fressalien für die Woche einzudecken. Strassen und Supermarkt sind wie von Frankreich gewöhnt, nur die dunkle Hautfarbe und das Patois der Einheimischen sowie die Zuckerrohrfelder und Palmen verraten uns, dass wir uns nicht nach Frankreich verlaufen hatten. Die Woche in Grande Terre verbringen wir im Ferien-Style: morgens auspennen, dann lecker frühstücken mit Baguette und Cornflakes und dann ab durch die Mitte mit dem Panda über die doch relative grosse Insel. Nach Osten gehts nach St. François, ein kleines, touristisches Dorf mit einem schicken Yachthafen und Golfclub. Dort sehen wir auch unseren ersten typisch guadeloupeanischen Strand. Bäämmm, es haut uns fast aus den Flip Flops, weisser Sandstrand und türkisgrünblaues Meer mit Badewannentemperatur. Im Laufe der Woche besuchen wir noch etliche solche Traumstrände.

Noch weiter im Osten besuchen wir die östlichste Spitze von Guadeloupe, die Pointe des Châteaux. Dort ist das Meer nicht friedlich und entspannt, sondern peitscht mit grosser Wucht an die Klippen und den kleinen Strand. Das «Schwimmen verboten»-Schild finde ich etwas überflüssig. Die Pointe des Châteaux erhebt sich immerhin 40 Meter über das Meer empor und kann erwandert werden. Das lassen wir uns nicht entgehen und kraxeln hoch. Oben hat man eine atemberaubende Sicht über das Insel-Archipel und der Sonnenuntergang ist hier absolute Weltklasse. Wir sind mega glücklich und können uns kein besseres Leben als das Reiseleben mehr vorstellen.

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Nach weiteren Ausflügen in den Norden von Grande Terre, zu Rum-Museen und weiteren Traumstränden buchen wir noch eine Ecotour vom Aquarium de la Guadeloupe. In einem kleinen Boot tuckern wir erst durch die Mangrovenwälder und dann zum Riff hinaus. Dort können wir 2 Stunden lang schnorcheln, unser Guide weist uns auf farbige Fische und Rochen hin und knipst zahlreiche Unterwasserbilder von uns. Nach diesem eindrücklichen Erlebnis packen wir unseren Kram in den Panda und fahren über die Rue de la Traversée auf die zweite Hauptinsel Basse Terre. Hier überwiegen Regenwald und Berge, die Strände sind ganz ein kleines bisschen weniger schön als auf Grande Terre. Wir erreichen schnell unsere Unterkunft, die etwas weniger Luxus verspricht als die letzte. In einen dschungelartigen Garten hat ein Exil-Pariser einige einfache Hütten aufgestellt, Toiletten und Duschen gibts in einem Gemeinschaftsgebäude. Unsere Camperherzen schlagen höher und wir fühlen uns sofort wohl. Hier lernen wir auch Pascal aus Kanada kennen und machen mit ihm einen Tagesausflug auf die kleine Inselgruppe Les Saintes. Die Velomiete, um den Fort Napoleon in der Mittagshitze zu erklimmen, hätten wir uns sparen können. Wir sind pitschnass als wir oben ankommen und laufen die meiste Zeit neben unseren Drahteseln her. Es lohnt sich aber, die Aussicht auf die Inseln und das wunderschöne Meer lohnt sich auf jeden Fall.

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Auf Basse Terre lassen wir es uns nicht nehmen, den aktiven Vulkan La Soufrière zu erwandern. Obwohl der Gipfel in neun von zehn Fällen von dichten Wolken umhüllt ist, hoffen wir, die Aussicht von ganz oben geniessen zu können. Natürlich macht La Soufrière für zwei kleine Schweizer keine Ausnahme: Als wir nach drei Stunden Wanderung oben ankommen, giesst es aus Kübeln und man sieht vor lauter Nebel knapp zwei Meter weit. Dazu macht die Schwefelgrube ihrem Name alle Ehre, es stinkt bestialisch. Trotzdem sind wir mega happy und stolz, dass wir den Vulkan bezwungen haben. Am Abend entdecken wir zwei frische Kokosnüsse vor unserer bescheidenen Hütte, die uns unser Gastgeber als Erfrischung hingestellt hat. Wir schätzen und geniessen diese nette Geste sehr.

Nach zwei Wochen Guadeloupe nehmen wir schweren Herzens Abschied von französischen Überseeparadies und machen uns auf in Richtung Puerto Rico.

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